Blume des Jahres 2006
Von der Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt wurde zur Blume des Jahres 2006 das
Wiesen- Schaumkraut (Cardamine pratensis)
ausgewählt.
Begründung:
Mit der Feuchtwiesenart Cardamine pratensis soll auf schleichende Gefährdungstendenzen aufmerksam gemacht werden, welche
auch stiftungseigene Flächen betreffen. Hervorgerufen durch länderübergreifende Entwässerungsmaßnahmen (Eindeichung der
Auenbereiche), aber auch durch regionale und örtliche Bewirtschaftungsmaßnahmen im Binnenland sind immer mehr Grünlandarten
betroffen.
Der Frühjahrsaspekt auf nährstoffreichen Feuchtwiesen wird neben der Sumpfdotterblume (Caltha palustris, Bl. d.Jh. 1999)
insbesondere durch das Wiesen- Schaumkraut gebildet. Die Standortamplitude dieser Pflanze reicht sehr weit. Innerhalb der
Kulturlandschaft kommen Bestände von Cardamine pratensis in unterschiedlichsten Biotopen vor: auf gedüngten Feuchtwiesen /
-weiden in Talauen, in Flachmooren, auf feuchte Stellen in Wäldern (v.a. Erlenbruchwald), an Gräben, in Uferbereichen, ja
selbst auf den feucht- frischen Wiesen- und Rasenflächen in Grünanlagen, Parks und Privatgärten. Bis dato galt diese
Feuchtwiesenart bundesweit als allgemein verbreitet. Aktuell melden Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern einen erheblichen
Bestandsrückgang von Cardamine pratensis und stufen mittlerweile die Art als gefährdet ein (Rote-Liste-Status: 3).
In diesem Zusammenhang ist auf einen bundesweiten Aufbau von Pflanzensamenbanken hinzuweisen, welche den Verlust an Arten-
und Sortenvielfalt entgegensteuern soll. Beispielsweise hat die Arbeitsgruppe Spezielle Botanik der Universität Osnabrück
eine Sammlung für Kreuzblütler eingerichtet, um nicht nur die krautartigen Grünland- und Ackerarten zu erhalten, sondern
auch das große Spektrum der kultivierten Anbausorten der Brassicaceaen. Unter ihnen befindet sich eine der vielfältigsten
und ältesten Kulturpflanze: Brassica oleracea, der Kohl; allgemein bekannter sind jedoch seine Unterarten und Sorten: Weiß-,
Rot-, Blumen-, Rosenkohl und Kohlrabi.
Name:
Der Name Wiesen- Schaumkraut bezieht sich auf das häufige Vorkommen von Schaumnestern, die einer Larve der Schaumzikade ( Philaenus spumarius) als Habitat dienen. Da Cardamine pratensis im April bis Mai so dominant auftrat und mit ihr die Zikadenlarve, wirkte im Gesamtbild die weißliche Blüte zusammen mit dem zahlreichen "Kuckucksspeichel" wie ein flächiger Schaumteppich auf den Feuchtwiesen. Die Pflanze wird daher auch in einigen Regionen Kuckucksblume genannt.
Beschreibung:
Cardamine pratensis gehört zur Pflanzenfamilie der Kreuzblütler (Brassicaceae/ Cruciferae), die weltweit mit 350
Pflanzengattun-gen verbreitet ist. Zur heimischen Flora zählen allein 45 Gattungen, unter ihnen die Gattung Cardamine
(u.a. Wiesenschaum-kraut) oder z.B. Brassica ( u.a. diverse Kohlsorten, s.o.). Die Brassicaceaen sind eine der wenigen,
klar unterscheidbaren Pflanzenfamilien: stets setzt sich der Blütenstand aus 4 Kelchblättern (Sepalen) und 4 Kronblättern
(Petalen) zusammen, welche innerhalb der Lücken, also über Kreuz stehen. Dagegen ist die wissenschaftliche Abgrenzung
innerhalb der einzelnen Gattungen recht schwierig, so wird das Wiesen- Schaumkraut mit 3- 4 weiteren Kleinarten zu einer
Sammelart, Cardamine pratensis agg. vereint.
Die bis zu 60 cm hohe Feuchtwiesenart besitzt bodennah rosettenartige Grundblätter und unpaarig gefiederte Teilblättchen im
oberen Stängelabschnitt. Der hohle Stängel ist fast rund, die Blütenstände blasslila, -rosa oder weiß. Die Blüten zeigen sich
im April bis Mai und werden dann häufig vom Aurora-Falter (Anthocharis cardamines) angeflogen, da dessen Raupen sich
überwiegend von dem Pflanzensaft des Wiesen- Schaumkrautes ernähren. Das Tagfalter- Männchen ist unverwechelbar an seinen
orang- farbigen Flügelspitzen zu erkennen. Die Pflanzensamen befinden sich in einer Schote, welche bei Reife aufspringt.
Häufig findet jedoch eine ungeschlechtliche Vermehrung durch Blattsprossen aus der Grundrosette statt.
Herkunft:
Allgemeine Verbreitung in Europa, Nordasien und Nordamerika, in diversen Biotop- Typen zu finden (s.o.).
Standort:
Das Wiesen-Schaumkraut bevorzugt frische bis feuchte, nährstoffreiche Wiesen- und Rasenstandorte, insbesondere lehmige Böden werden besiedelt, jedoch wegen der hohen Anpassungsfähigkeit auch auf sandigen / torfigen Standorten (s.o.). Trockene oder entwässerte Bereiche werden allerdings gemieden.
Verwendung:
- an natürlichen Standorten .
- auf frisch- feuchten Rasenflächen, auch im Halbschatten*
Standort Wiesen-Schaumkraut
Rede von Loki Schmidt
zur Vorstellung der Blume des Jahres 2006, Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) am 13. Oktober 2005
© Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt
Wartung und Pflege HM * Letzte Änderung am 04.04.2006