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Rede zur Vorstellung der Blume des Jahres 2009 verfasst von Loki Schmidt

Vorgetragen am 9. Okt. 2008 im Naturschutzhaus-Haus Boberger Niederung durch den Vorstandsvorsitzenden Dr. Eberhard Schürmann


Meine Damen und Herren,
Zur "Blume des Jahres 2009" hat die "Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt zum Schutze gefährdeter Pflanzen" die

Wegwarte (Cichorium intybus)

Dr. Eberhard Schürmann ausgewählt. Sie bevorzugt einen ähnlichen Lebensraum wie die Nickende Distel, die Blume des Jahres 2008.

Die Wegwarte ist aber häufiger zu finden, sie wächst an Weg- und Ackerrändern und auf bäuerlichen Schuttplätzen. Mich hat schon als Kind diese Pflanze fasziniert, deren strahlend blaue Blüten sich morgens öffnen, aber am frühen Nachmittag "schlafen gehen".

Die Wegwarte gehört zu der Pflanzenfamilie der Korbblütler (Compositen). Sie kann bis 120 cm hoch werden. Der Stengel ist recht verzweigt. Die dunkelgrünen, etwas rauhaarigen Blätter sind am Grund etwas fiederspaltig, die mittleren und obenstehenden Blätter sind aber fast ganzrandig.


Im Juli beginnt die Wegwarte mit vielen Körbchenblüten an zu blühen. Die Blüten haben - anders als z.B. die Sonnenblumen, nur Zungenblüten. Sie öffnen sich nur an hellen Tagen oder bei Sonne. Gegen 15 Uhr schließen sich dann die Körbchen wieder.


Die Wegwarte ist eine alte Kulturpflanze, sowohl Heil- als auch Gemüsepflanze. Schon im 17. Jahrhundert pflanzte man eine Sorte ihres Wurzelstockes wegen an. Dieser ergab geröstet eine vielgebrauchte Beimischung zum Bohnenkaffee, die Zichorie oder Zichorienkaffee. Noch zu meiner Kinderzeit in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es in den Läden sogenanntes "Kaffeegewürz", das dem teuren Bohnenkaffee Farbe und Geschmack verlieh.


In einer alten Flora von Deutschland von 1906 ist zu lesen, daß aus der Wurzel der Wegwarte oder Zichorie ein vielgebrauchtes Kaffeesurrogat hergestellt wird. Damalige Anbauflächen in Deutschland bedeckten 10.000 ha Ackerland. Sie befanden sich im Regierungsbezirk Magdeburg, in Württemberg und Baden, in Mannheim und sogar noch nördlich in Braunschweig und Aurich.


Inzwischen werden aber längst auch blattreiche Varianten der Wegwarte kultiviert. Ähnlich wie beim Spargel wachsen die Pflanzen in "Anhäufelungskultur", d.h. der austreibende Pflanzensproß wird immer wieder mit Erde bedeckt. Dadurch bleibt er zart und hat eine gelbliche Farbe. Wir kaufen dieses Gemüse seit ungefähr 70 Jahren bei uns unter dem Namen Chicoree, Endivie oder Radicchio. Außerdem wird auch immer noch die Wurzelzichorie als Kaffeezusatz angebaut.


Wer die Pflanze des Jahres 2009 mit dem einfühlsamen deutschen Namen "Wegwarte" in seinem Garten haben möchte, kann sich an die Stiftung wenden und ein Samentütchen gegen eine kleine Spende bestellen.


Blume des Jahres 2009

Dr. Johannes Martens , Geschäftsführer der Loki Schmidt Stiftung

 


© Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt
Wartung und Pflege HM  *  Letzte Änderung am 13.10.2008