Der Moorweg
Länge: 2,7 km Dauer: ca. 1 h
Der Moorweg führt einmal um das Achtermoor herum und ermöglicht dabei sowohl Einblicke in Weiden- und Erlenbruchwälder als auch Ausblicke auf die beiden Moorteiche.
Die Moorentstehung
Als vor rund 10.000 Jahren die letzte Eiszeit endete, lagerten Schmelzwasser und Winde in der Folgezeit große Sandmengen vor der Geestkante (auf der heute die B5 entlang läuft) ab. Das aus den Hängen austretende Wasser konnte dadurch nicht mehr abfließen, und ein See entstand. Dieser verlandete im Laufe der Zeit bis er schließlich zum Niedermoor wurde, Obwohl das Moor bis Ende des letzten Jahrhunderts teilweise als Streuwiese genutzt wurde, fanden die gravierendsten Eingriffe erst in den Notzeiten nach Ende des Zweiten Weltkrieges statt. Um kostbares Heizmaterial zu gewinnen, wurde in größeren Mengen Torf abgebaut. Dadurch entstanden unter anderem die beiden Teiche im Achtermoor. Nach wenigen Jahren gab man jedoch die Nutzung auf, und seitdem konnte sich die Natur hier weitgehend ungestört entwickeln.
Der Rundweg
Der Spaziergang beginnt in der nördlichsten Ecke des Naturschutzgebietes Boberger Niederung am Parkplatz Achtermoor. Ein
breiter Asphaltweg führt Richtung Süden, leicht bergab, am sich linkerhand erstreckenden Moor entlang. Rechts erhebt sich die
ehemalige Mülldeponie Havighorster Moor, die allerdings nicht zum Naturschutzgebiet gehört. Nach etwa 200 m sehen Sie links
einen breiten Graben, der aus dem westlichen der beiden Achtermoorteiche kommt. Er knickt nach Süden ab und läuft parallel zum
Weg weiter.
Dieser Graben weist eine interessante Vegetation aus seltenen Wasserpflanzen wie der Berle, der Wasserfeder und an einigen
sonnigen Stellen auch der Krebsschere auf. Der breite Graben dient heute weniger der Entwässerung als vielmehr der Beruhigung
des dahinter liegenden Gebietes.
Der Asphaltweg führt weiter entlang des feuchten, hier mit Erlen durchsetzten Birkenbruches.
Mit etwas Glück können
Sie ein tropfenförmiges Nest der seltenen Beutelmeise an einem Zweig schaukelnd entdecken. Dieses aus Weidensamen und
Pflanzenfasern geflochtene Kunstwerk zählt zu den aufwendigsten Bauwerken unserer heimischen Vogelwelt.
Kurz bevor ein Asphaltweg nach rechts abzweigt, biegen Sie links ein. Sie überqueren den breiten Graben auf einer Holzbrücke
und befinden sich kurze Zeit später indem Übergangsbereich zwischen feuchtem Moor auf der linken und trockenen Dünenausläutern
auf der rechten Seite.
Hier besteht der Wald vornehmlich aus der seltenen Karpaten-Birke. Sie findet in diesem Bereich aufgrund wechselnder Torf- und
Sandschichten über einer kalkreichen Kleieschicht besonders günstige Bedingungen vor.
Ein Stück weiter, kurz vor dem Reitweg. halten Sie sich wiederum links. Der Pfad, dem Sie nun folgen, führt am Südrand des
Moores entlang. Er verläuft etwas erhöht auf dem Absatz der einstigen Dünenausläufer. Von hier bieten sich gute Ausblicke in
den Bruchwald zur Linken, der von ehemaligen Entwässerungsgräben und Resten kleinerer Torfstiche durchzogen ist. Dieses Gebiet
wird im Norden von den beiden großen Moorteichen begrenzt. Es besteht absolutes Betretungsverbot - auch für die ansässigen
Angelvereine! Dieses dient dem Schutz der Vielzahl von Brutvögeln mit selten gewordenen Arten wie zum Beispiel der
Nachtigall.
Sie folgen dem Pfad ein gutes Stück entlang des Moores und biegen schließlich nach rechts ab. Hier überqueren Sie den Reitweg
und treffen auf den Hauptrundweg um das Segelfluggelände, dem Sie nach links folgen. In diesem Bereich liegen direkt benachbart
zwei sehr verschiedene Lebensräume:
Auf der einen Seite der immer feuchte, schattige, kühle und unterholzreiche Bruchwald. Auf der anderen Seite der offene,
trockene und im Sommer oft heiße Dünenbereich. Dieser ist zum Teil mit Heide und spärlicher Trockenrasen-Vegetation bestanden,
in einigen Bereichen besteht er sogar nur aus nacktem Sand. Lediglich vereinzelt wachsen Grüppchen aus Birken und Zitterpappeln,
die ein wenig Schatten geben. Doch gerade die Übergangsbereiche solch verschiedenartiger Lebensräume bieten für die Pflanzen-
wie auch die Kleintierwelt vielfältige Möglichkeiten die unterschiedlichsten Überlebensstrategien zu entwickeln und umzusetzen.
So treffen wir hier auf engstem Raum eine hohe Artenvielfalt an.
Nach etwa 300 m verlassen Sie dann den Segelflugplatz Rundweg und folgen dem Wanderweg, der nach links, in nördlicher Richtung
abzweigt. Sie queren wiederum den Reitweg und gehen geradeaus, um direkt in den tiefer-gelegenen Erlenbruchwald des Schur-
und Weidenmoores zu gelangen.
Im Gegensatz zum Auwald,
der nur hin und wieder überflutet wird, herrscht im Bruchwald praktisch das ganze Jahr über Staunässe durch sehr hohe
Grundwasserstände. Die Schwarzerle ist in diesem Bereich der dominierende Baum. Sie kann mit ihren verzweigten Stelzwurzeln
im schlammigen Boden Halt finden und kommt mit hohen Grundwasserständen ebenfalls gut zurecht. Aber auch mehrere Weidenarten
und die Moor-Birke wachsen hier. In der Krautschicht finden sich neben verschiedenen Seggen-Arten die gelb leuchtende
Sumpfdotterblume und der ebenfalls
gelb blühende Strauß-Gilbweiderich.
Sie gehen
trockenen Fußes auf dem Dammweg Richtung Norden. Er wurde ehemals als Landwirtschaftsweg aus Sand und Bauschutt aufgeschüttet
und beherbergt dadurch eine mooruntypische Vegetation aus Hasel!, Weißdorn, Holunder und anderen Sträuchern. Der Dammweg
mündet schließlich auf die Asphaltstraße Unterberg, wo Sie sich nach links wenden. Oberhalb der Straße liegt am Hang ein
Quellbereich mit besonderer Vegetation, darunter unter anderem eine seltene Braunwurzart und die Berle. Sein Wasser speist,
so wie das anderer Quellen weiter östlich, den tiefer liegenden Bruchwald.
Sie folgen nun nicht der Asphaltstraße bergauf, sondern schlagen den schmalen Wanderweg links daneben ein. Er führt in
westlicher Richtung unten am Hang entlang.
Hier kann man gut den Unterschied der Vegetation zwischen den tiefliegenden, feuchten Bruchwald linkerhand und dem trockneren,
sonnenexponierten Südhang auf der rechten Seite erkennen. Auf diesem Hang wachsen Pflanzen wie der Schlehe und verschiedene
Wildrosenarten, die trocknere Standorte bevorzugen. In den Sommermonaten sind hier eine Vielzahl von Libellenarten zu sehen.
Die Libellen benötigen die nahen Gewässer für die Entwicklung ihrer Eier und Larven. Als erwachsene Tiere finden sie dann an
den sonnigen Hängen ein vielfältiges Nahrungsangebot in Form von kleinen Insekten, die sie geschickt m Fluge erbeuten.
Der Weg vereinigt sich ein Stück weiter mit einem von rechts dem Hang herabkommenden Weg und führt kurz darauf am Nordufer des
östlichen der beiden Moorteiche entlang.
Mit etwas Glück können Sie auf dem Wasser neben den allgegenwärtigen Stockenten auch einige Haubentaucher oder andere seltene
Entenarten wie Krick-. Schnatter- und Pfeifenten beobachten.
Sie folgen dem Weg weiter geradeaus am Bruchwaldrand entlang und schließlich können Sie durch die Stämme der Schwarzerlen
hindurch den westlichen Teich ausmachen.
Beide Achtermoorteiche sind an Angelvereine mit der Auflage einer naturschonenden Nutzung verpachtet. So dürfen auch die
Angler nur bestimmte Uferbereiche betreten und haben sich zudem zur Reinhaltung des Geländes von Müll verpflichtet. Gebadet
werden darf in den Teichen nicht.
Auf dem letzten Weg stück fallen im Frühjahr die dunkelrosafarbenen Blütenstände oder später die erst nach der Blüte
erscheinenden, riesigen Blätter der Pestwurz auf. Diese Blätter sind zum Herbst durch starken Schneckenfraß oft völlig
zerlöchert.
Schließlich erreichen Sie das Ufer des westlichen Teiches, wo sich noch einmal die Gelegenheit von Wasservogelbeobachtungen
bietet. Eine Treppe führt dann zum Ausgangspunkt, dem Parkplatz Achtermoor, zurück.
Die Texte, Karten und Fotos dieser Intenetseite sind aus den Faltblättern "Natur-Infowege im Naturschutzgebiet
Boberger Niederung" übernommen, herausgegeben von :
NATURSCHUTZVERBAND GÖP - Gesellschaft für ökologische Planung e.V.
im Naturschutz-Informationshaus Boberger Niederung
Boberger Furt 50,
21033 Hamburg
Tel.: 739 31 267
Text/Grafik/Layout Torben Piel
Titelbild Werner Schultz
Fotos Adolf Albers, Frank Hecker und Michael Bosch
Die im Infohaus erhältlichen Faltblätter sind gefördert von der HEW-Umweltstiftung
© Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt
Wartung und Pflege HM * Letzte Änderung am 07.04.2006
