"Der Pfad ist das Ziel"
Fachtagung zur Gestaltung von Lehrpfaden und Erlebniswegen
Abschlussbericht
Auf einer eintägigen Fachtagung am 12.2.2008 im Naturschutz-Informationshaus Boberger Niederung wurde ein Überblick über neuere und moderne Ansätze zur Gestaltung von Besucherinformationssystemen gegeben. An der Veranstaltung nahmen insgesamt 70 Personen teil, die aus Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen gekommen waren. Es waren sowohl Behörden und andere öffentliche Einrichtungen vertreten als auch Vereine, Verbände und Stiftungen. Agenturen und selbständige Graphiker, Gestalter und Ausstellungsdidaktiker waren ebenso anwesend wie interessierte Einzelpersonen. Im folgenden geben wir einen kurzen Überblick über den Ablauf der Veranstaltung:
Ein Einführungsvortrag von Dr. Hans-Helmut Poppendieck vom Botanischen Verein zu Hamburg e.V. gab einen Überblick über die Geschichte der Didaktik und Methodik von Infotafeln und Lehrpfaden. Beispiele vom Kalvarienberg bis zu den ersten Hamburger Lehrpfaden aus den zwanziger Jahren halfen bei der Einordnung des Themas in die Umweltbildung und Landschaftsvermittlung
Anschließend folgten zwei Vorträge von Julia Debelts von der Ausstellungsagentur szenario aus Niedersachsen sowie Andreas Schmidt von NaturErleben! aus Schleswig-Holstein, in denen zahlreiche aktuelle Beispiele für Tafeln, Pfade und Besucherinformationssysteme überwiegend aus dem norddeutschen Raum vorgestellt wurden. Hierbei ging es um die inhaltliche Konzeption und Didaktik, gestalterische Aspekte wie Graphik, Schriften, Texte sowie die Materialwahl aus Sicht der Wetter- und Vandalismusbeständigkeit sowie der Kosten. Insbesondere die Vielfalt und Kreativität der Beispiele aus Schleswig-Holstein beeindruckte die Tagungsteilnehmer, aber auch die Qualität der Auseinandersetzung mit Materialien, Inhalten, Technik, Didaktik und Darstellung der Beispiele aus Niedersachsen gaben viele Anregungen für die folgenden Diskussionen.
Ein wichtiges Ergebnis jenseits der Fragen von Material und Kosten war, dass gelungene Beispiele immer aus einer intensiven, oft sehr individuellen Auseinandersetzung mit der Situation vor Ort entstanden sind. Das gilt natürlich zu allererst für die Naturphänomene am potenziellen Standort einer Tafel oder eines Pfades, aber auch für den Ort in einem umfassenderen Sinne. Dazu gehört seine erdgeschichtliche Entstehung, seine Nutzungsgeschichte, seine ganz besonderen Eigenschaften und Geschichten ebenso wie die Menschen, die ihre Spuren hinterlassen haben, die Tiere und Pflanzen, die den Standort kennzeichnen und die sich daraus ergebende Differenz zu anderen ähnlichen Standorten.
Nach der Mittagspause wurde von Tobias Hinsch vom NABU Hamburg das GPS-gestützte Besucherinformationssystem im Duvenstedter Brook vorgestellt. Im dortigen Naturschutz- Informationshaus kann man einen Taschen-PC (PDA) leihen. Im Gelände können dann an verschiedenen Orten (die über GPS lokalisiert werden) Informationen abgerufen werden. Auch Abbildungen und zum Beispiel Vogelstimmen sind verfügbar. Die Möglichkeiten des neuen Systems sind sehr groß und werden in Duvenstedt modellhaft durch den NABU erprobt. In der anschließenden Diskussion wurde auch die Frage aufgeworfen, ob die Technik unter Umständen nicht auch davon ablenken kann, sich auf die Begegnung mit Naturphänomenen einzulassen.
Die Entdeckerstationen in Planten und Blomen wurden von Barbara Engelschall vom Botanischen Verein zu Hamburg e.V. präsentiert. Die Stationen umfassen sowohl naturkundliche als auch stadt- und gartengeschichtliche Themen. Die schön und aufwändig gestalteten Tafeln mit Hands-on-Elementen führten unter anderem zu Nachfragen zu den Kosten, da der Standort in einer öffentlichen Grünanlage hohe Anforderungen an die Vandalismusbeständigkeit stellt.
Während die vorangegangenen Pfade überwiegend auf Natur und Landschaft ausgerichtet waren, setzte der von Monika Mura von der SDW beschriebene Pfad der Nachhaltigkeit einen anderen Schwerpunkt. Hier wurden mit unterschiedlichen Partnern Tafeln zu Themen der nachhaltigen Wirtschafts-, Produktions- und Lebensweise in der Stadt aufgestellt. Während bei den vorangegangenen Beispielen der Schwerpunkt eher auf Fragen der Didaktik und Gestaltung lag, machte sich hier die Diskussion eher am Prozess der Findung von Sponsoren, Partnern, Standorten, Themen und Inhalten fest.
Die beiden folgenden Vorträge befassten sich mit dem Thema Boden. Zunächst gab Andreas Petersen vom Institut für Bodenkunde in Hamburg einen Überblick über das Thema und den Hamburger Bodenlehrpfad, den er im Rahmen seiner Diplomarbeit entwickelt hatte. In seinem Vortrag stellte er Tafeln des Lehrpfades in den Harburger Bergen vor. Anschließend präsentierte Günter Miehlich seine Überlegungen zu einem historischökologischen Pfad durch die Boberger Niederung. Hierbei wurde das große Potenzial des Naturschutzgebietes für die Themen Boden und Bodenschutz und ihre Vermittlung deutlich.
Auf die ursprünglich geplante Druckversion einer Publikation der Ergebnisse wird verzichtet, da viele Vorträge sehr stark von den Fotos lebten und damit die Druckkosten zu hoch geworden wären. Stattdessen finden Sie die Powerpoint-Vorträge hier als pdf-Datei:
- Agenda
- Einführungsvortrag von Dr. Hans-Helmut Poppendieck
- Julia Debelts_Didaktik
- Andreas Schmidt_Projekte Schleswig-Holstein
- Barbara Engelschall_Entdeckerstationen
- Monika Mura Pfad der Nachhaltigkeit
- Andreas Petersen_Hamburger Bodenlehrpfad
- Günter Miehlich_Historisch-ökologischer Pfad durch die Boberger Niederung
Verfasser des Abschlussberichts:
Axel Jahn, Loki Schmidt Stiftung, Barbara Engelschall, Botanischer Verein zu Hamburg
© Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt
Wartung und Pflege HM * Letzte Änderung am 19.03.2009