Wiederfund des Baltischer Enzian in der Boberger Niederung
(veröffentlicht in: Berichte des Botanischen Vereins zu Hamburg 18: 61-64)
Im NSG "Boberger Niederung" wurden Anfang Mai 1997 von A. Albers, Hamburg, im Bereich der als Orchideenstandort bekannten
Rodelbahn im Osten des Naturschutzgebietes drei Exemplare des in Hamburg verschollen Baltischen Enzians -
Gentianella campestris baltica - entdeckt. Dort befinden sich am Fuß des Geesthanges anstehende kalkreiche Tone, die zu einer
guten Wasserversorgung führen, jedoch nur sehr selten eine Überstauung der Flächen zur Folge haben. Aufgrund der regelmäßigen
botanischen Exkursionen in dieses Gebiet kann weitgehend ausgeschlossen werden, dass die Art in den letzten Jahren oder
Jahrzehnten dort übersehen worden ist. Laut H.-H. Poppendieck, Hamburg, ist eine Ansiedlung ebenfalls unwahrscheinlich,
da diese, wie die anderen Gentianella-Arten als kaum zu kultivieren und auch kaum als ansiedelbar gilt.
Umso interessanter dürfte deshalb sein, dass sich im Herbarium Hamburgense (HBG) einige Belegexemplare des Enzians aus dem
Gebiet des jetzigen Fundortes befinden. Elf Exemplare aus dem Jahr 1891 mit der Fundortangabe "Feuchte, moorige Heidestellen
eben hinter der Ziegelei an der Ladenbek" und ein Exemplar aus dem Jahr 1908 mit der Angabe "Boberg".
Wenn die obigen Angaben zutreffen, ist es als wahrscheinlich anzunehmen, dass es sich bei dem Fund um ein Wiedererscheinen
von Gentianella campestris baltica aus der Samenreserve im Boden handelt. Dies könnte durch Bodenverletzungen hervorgerufen
worden sein, wie sie am Fundort durch Schlittenfahren, Tritt und Fahrradfahren an der Tagesordnung sind. Nach FISCHER (1998)
begünstigen Vegetationslücken das Keimungsverhalten der eng verwandten Art Gentianella germanica. Auch die Entwicklung einer
persistenten, also vieljährigen Samenbank im Boden ist für die Gentianella-Arten mehrfach belegt (ebda.).
Der Fund ist ein weiterer Beleg für die große Bedeutung der Boberger Niederung als Standort seltener Pflanzenarten, die im Hamburger Raum schon lange bekannt ist und zur Unterschutzstellung des Gebietes wesentlich beitrug. Artenschutzmaßnahmen lassen sich aus diesem Fund kaum ableiten, ist doch noch nicht einmal sicher, ob die einjährige Art 1997 gefruchtet hat, obwohl sie wahrscheinlich, wie für Gentianella germanica (WILLD.) BORNER belegt (Fischer...), zur Selbstbestäubung befähigt ist. Im Jahr 1998 konnte sie jedenfalls bislang noch nicht wiederentdeckt werden. Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen sollten in diesem und anderen Bereichen des Naturschutzgebietes jedoch gelegentliche kleinere Bodenverletzungen durchaus in Kauf nehmen oder gezielt herbeiführen, um der "im Boden schlafenden Reserve" eine Chance zu bieten. Hierfür kann eine T otalsperrung botanisch wertvoller Bereiche kontraproduktiv sein, weil der Ausschluss von Vertritt genau das unterbindet und meist keine anderen Maßnahmen mit vergleichbarem Effekt durchgeführt werden.
Literatur:
- Fischer, M. (1998): Über die Ursachen der Gefährdung lokaler Pflanzenpopulationen Bauhinia 12:9-22.
- Poppendieck, H.-H., H. W. Kallen, I. Brandt & J Ringenberg (1988): Rote Liste und Florenliste der Farn- und Blütenpflanzen von Hamburg. Freie und Hansestadt Hamburg. Naturschutz und Landschaftspflege in Hamburg. Schriftenreihe der Umweltbehörde 48.
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Wartung und Pflege HM * Letzte Änderung am 07.04.2006