Goldammer
Die Goldammer ist ein verbreiteter Brutvogel der Boberger Niederung und in fast ganz Europa noch häufig. Da wir 36 Reviere
in unserem Gebiet l998 kartiert haben, wollen wir das zum Anlass nehmen, den "Vogel des Jahres" in unserem Gebiet etwas
genauer vorzustellen.
Dieser Singvogel ist relativ groß (16-17 cm) und langschwänzig mit rotbraunem Bürzel, weißen äußeren Schwanzfedern und
goldgelbem Gefieder an Kopf, Hals und Vorderbrust. Die Weibchen und Jungvögel sind weniger gelb und meist mehr gestreift.
Die Goldammer ist ein typischer Bewohner von Saumbiotopen. Diese findet sie in der offenen und halboffenen Landschaft mit
Büschen und Hecken, an Waldrändern und auf Lichtungen, Acker- und Brachflächen, sowie in Trockenbereichen. In der Boberger
Niederung besiedelt sie die Trockenrasen, die Ränder der Düne (in sehr hoher Dichte) und die Heckenlandschaft der Marsch an
der Bille.
Im Winter sind ihre Trupps auch bei uns häufig auf Saat- und Stoppelfeldern, an Bahnböschungen und Heckenrändern zu beobachten.
Bei geschlossener Schneedecke suchen sie Bauernhöfe und Randbereiche von Siedlungen zur Nahrungssuche auf.
Ihre Nahrung liest die Goldammer vom Boden auf oder sie sammelt sie von der vom Boden aus erreichbaren Vegetation.
Im Winter ernährt sich die Goldammer überwiegend vegetarisch. Sie frisst meist Unkrautsamen, Getreidekörner und wilde Früchte.
Im Sommer verändert sie ihren Speiseplan: Als Nestlingsnahrung konnten Heuschrecken, Nacktschnecken, verschiedene Raupen,
Fliegen, Mücken und Schmetterlinge, aber nie pflanzliche Kost nachgewiesen werden.
Vom Ende Februar bis Mitte August singen die Männchen in ihrem Brutrevier. Der Gesang ertönt ausdauernd und ist aus der
Boberger Niederung nicht wegzudenken. Während viele unserer Singvögel vor allem in den Morgenstunden singen, lässt die
Goldammer den ganzen Tag über, selbst in der Mittagshitze, ihr wohlklingendes Lied ertönen. Er lässt sich mit
"si-si-si-si-si-si-sililil" beschreiben. Noch einprägsamer ist die Deutung dieses Gesanges durch den Volksmund:
"wie, wie, wie hab ich dich so lieb" (oder, je nach Verfassung: "keiner hat mich richtig lieb"). Die
Partner halten in dieser Zeit eng zusammen und suchen auch gemeinsam ihre Nahrung.
Nur das Weibchen baut innerhalb von 4-8 Tagen ein gut verstecktes Nest am Boden oder nicht höher als im über dem Boden in
einer Hecke, einem Gebüsch oder an einer Mauer. Das Nest aus trockenen Grashalmen und -blättern wird mit zartem Gras und
Haaren ausgepolstert. Gelegentlich wird das Nest aus Farnstückchen, Blättern, Rindenspänen oder Moos gebaut.
Das Weibchen legt ab Ende April/Anfang Mai bis Ende August meist 2-5 Eier, die es in etwa 13 Tagen allein ausbrütet. Beide
Eltern füttern die Jungen.
Nach dem 2. Weltkrieg haben die Industrialisierung und Intensivierung der Landwirtschaft die Goldammerbestände stark
reduziert. Dafür war vor allem die Flurbereinigung verantwortlich, In deren Folge die Dichte von Hecken, Feldgehölzen und
Baumreihen in unserer Landschaft stark abnahm. Die intensive Nutzung der Landschaft führte dazu, dass grasige Säume und
Randstreifen Immer weniger Fläche einnehmen. Die Effektivierung der Getreideernte hatte zur Folge, dass das Nahrungsangebot
im Winter geringer wurde.
Dennoch gehört die Goldammer, mit einem Bestand von etwa zwei Millionen Paaren In Deutschland nicht zu den gefährdeten Arten.
Der "Vogel des Jahres 1999" steht für die Hoffnung auf eine Landschaft, in der der Mensch umweltgerecht und
naturschonend wirtschaftet -eine Landschaft, in der der Mensch auf den Gesang der Goldammer eine Antwort findet.
© Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt
Wartung und Pflege HM * Letzte Änderung am 07.04.2006